Ein Roadtrip durch Costa Rica

“Denkst du, wir kommen hier weiter?”, frage ich Leo besorgt. Seit etwa einer Stunde fahren wir immer höher hinauf in die costa-ricanischen Berge. Die anfangs asphaltierte sehr gute Straße ist mittlerweile in eine schmale Geröllpiste mit immer tiefer werdenden Schlaglöchern übergegangen. Was uns von einer Freundin als “schönste Abkürzung Costa Ricas” beschrieben wurde, erinnert mich eher an eine Rallye-Piste und außer uns hat sich kein anderes Fahrzeug hierher verirrt. “Doch, das schaffen wir!”, ermutigt mich Leo und so setzen wir unsere holprige Fahrt im ersten Gang fort. Hoffentlich bleiben wir nicht stecken.

Unterwegs nach La Fortuna

Zwei Wochen lang haben wir Zeit, um die paradiesischen Strände mit feurigen Sonnenuntergängen, Vulkane, Nebelwälder und den tropischen Dschungel Costa Ricas zu entdecken, von dem wir bereits so viel gehört haben.

Unser erstes Ziel ist das Städtchen La Fortuna. Hier wollen wir uns den Vulkan Arenal anschauen, der als aktivster Vulkan Costa Ricas gilt. Als wir nach einer kurzweiligen Fahrt durch malerische Berglandschaften in La Fortuna ankommen, dämmert es bereits. Leider ist der Arenal in dichte Wolken gehüllt, sodass wir seine Größe heute nur erahnen können.

Am nächsten Morgen haben wir mehr Glück. Als ich die Türe unseres Hostelzimmers öffne, habe ich freie Sicht auf einen majestätischen Vulkankegel, der so gleichmäßig ist, dass er einem Bilderbuch entsprungen sein könnte. Alleine der Krater ist in eine weiße Wolke gehüllt. Bei einem leckeren Frühstück im Freien beobachten wir, wie die sich bewegenden Wolken immer wieder einen neuen Blick auf den Arenal kreieren.

Der Vulkan Arenal beeindruckt uns mit seiner imposanten Größe und gleichmäßigen Form

Zelten am Strand

Von La Fortuna aus fahren wir weiter zum Strand Playa Prieta, der auf der Halbinsel Nicoya an der Pazifikküste Costa Ricas liegt. Am Strand angekommen, suchen wir nach einem geeigneten Platz, an dem wir unser Zelt aufschlagen können. Wir sind begeistert. Außer dem Meeresrauschen sind keine anderen Geräusche zu hören und wir lassen uns von der entspannten Atmosphäre am mit Palmen gesäumten Strand in den Bann ziehen. Weshalb in einem Hotel übernachten, wenn wir direkt an einem Traumstrand schlafen können?

Im Schatten einiger Bäume werden wir fündig. Schnell ist unser Zelt aufgebaut und das Innere mit Isomatten und Schlafsäcken ausgelegt. Da sich die Sonne bereits in Richtung Horizont neigt, beeilen wir uns, um rechtzeitig vor Sonnenuntergang ein erfrischendes Bad im Meer nehmen zu können. Das glasklare Wasser ist herrlich und sogar Leo kommt hier voll auf ihre Kosten, da es an diesem Strand kaum Wellen gibt und wir nach Herzenslust schwimmen können.

Nach dem Baden bekommen wir Hunger. Jetzt macht es sich der kleine Gaskocher bezahlt, den wir uns in San José ausleihen konnten. Glücklich nehmen wir nach dem Kochen auf einem umgefallenen Baumstamm Platz und blicken hinaus aufs Meer. Selten haben Nudeln mit Tomatensoße besser geschmeckt!

In der Abenddämmerung baden wir im Meer

In den Nebelwäldern von Santa Elena

Vom Strand aus machen wir uns auf in Richtung Berge. Von den Nebelwäldern Costa Ricas haben wir bereits einiges gehört und wollen diese einmalige Landschaft nun selbst erleben. Bereits die Anfahrt, bei der wir uns von Meeresniveau auf kleinen Straßen immer weiter in die Berge hinaufschrauben, ist spektakulär. Im Örtchen Santa Elena beziehen wir Quartier und freuen uns auf einen Tag im nahegelegenen Nationalpark, in dem zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu Hause sind.

Am nächsten Tag sind wir früh auf den Beinen, da die meisten Tiere in den kühleren Morgenstunden aktiver sind als zur heißen Mittagszeit. Unseren ersten „Wow-Moment“ haben wir schon bei der Anfahrt zum Nationalpark. Am Straßenrand sehen wir einen Parkmitarbeiter und zwei Touristen, die etwas in den Baumwipfeln zu suchen scheinen. Wir halten an und dieser Stopp wird belohnt. Hoch oben sitzt in einer Astgabel ein Faultier. Zunächst ist es regungslos, doch auf einmal beginnt es, an einem Ast weiter nach oben zu klettern. Unter dem dichten Blätterdach sucht es nun Schutz vor der immer stärker werdenden Sonne, erklärt uns der Ranger.

Im Nebelwald von Santa Elena machen wir anschließend eine Wanderung, die uns auf einem schmalen, aber gepflegten Pfad einmal durch den Nationalpark führt. Schnell wird uns klar, weshalb der Wald „Nebelwald“ genannt wird. Zwar haben sich die Wolken bereits weitgehend aufgelöst, doch trotzdem ist die Luftfeuchtigkeit hier so hoch, dass alle Pflanzen mit einem feinen Wasserfilm überzogen sind. Auf unserer Wanderung entdecken wir mehrere beeindruckende Vögel und kurz vor Schluss noch einen Pizote, den in Costa Rica heimischen Weißrüssel-Nasenbär.

Ein Faultier zieht uns mit langsamen und graziösen Bewegungen in seinen Bann

Ein Blick in den Irazú

Bevor unser Roadtrip durch Costa Rica zu Ende geht, möchten wir uns den Irazú, den mit 3.432 Metern höchsten Vulkan des Landes, aus der Nähe anschauen. Mit dem Auto fahren wir hinauf und merken schon bald, dass es im sonst meist tropisch heißen Costa Rica überraschend kalt werden kann. Glücklicherweise haben wir unsere Windjacken im Gepäck und so begeben wir uns vom Parkplatz des Nationalparks auf den Weg zum Krater.

Als wir den Kraterrand erreichen, haben wir freie Sicht ins Innere des Irazú und staunen über das leuchtende Blau des durch Regen gespeisten Kratersees. Es ist unglaublich! Wie oft hat man schon die Gelegenheit, einen Blick in einen Vulkan zu werfen? Da der Himmel heute fast wolkenlos ist, bietet sich uns von einer Anhöhe ein weiterer fantastischer Anblick: Zu unserer Rechten erkennen wir weit hinten den Atlantik und zur Linken können wir am Horizont den Pazifik erkennen. Zwei Weltmeere auf einmal!

Hoch oben blicken wir in den Krater des mächtigen Irazú-Vulkans

Costa Rica – ein ideales Urlaubsland

Costa Rica hat uns begeistert. Obwohl es im Vergleich zu Deutschland ein kleines Land ist, bietet es eine sehr große Vielfalt. Die zahlreichen unterschiedlichen Vulkane haben uns immer wieder aufs Neue fasziniert und sobald man die großen Städte hinter sich lässt, ist Costa Rica einfach nur grün und voller Natur. Nie hätte ich gedacht, dass wir hier so viele verschiedene Tierarten zu Gesicht bekommen würden, doch die zahlreichen Nationalparks machen genau das möglich. Neben unzähligen Vögeln und Schmetterlingen haben wir auch größere Tiere wie Faultiere, Weißrüssel-Nasenbären, Brüllaffen, Kapuzineraffen, Kaimane und sogar Meeresschildkröten zu Gesicht bekommen.

Und auch unser Roadtrip hat mich überzeugt. Durch die kurzen Wege verbrachten wir nur wenige Stunden im Auto und stattdessen um so mehr Zeit in der großartigen Natur. Besonders gut werden mir die Wanderungen in den Nationalparks in Erinnerung bleiben, bei denen es jedes Mal etwas Neues zu entdecken gab. Ein weiteres Highlight waren für mich die vielen Wasserfälle und das Baden in den dazugehörigen Natur-Pools. Costa Rica ist für mich ein ideales Urlaubsland.

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Über den Autor

Leo und Sebastian von eins2frei
Leo und Sebastian von eins2frei
Leo Sibeth und Sebastian Ohlert kündigen ihre Wohnungen und Jobs, um im März 2017 zu einer Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufzubrechen. In Richtung Osten gestartet, kehrten die beiden nach 3 Jahren aus dem Westen zurück nach Hause, ohne je einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt zu haben. Auf ihrem Reiseblog www.eins2frei.com lassen die beiden ihre Leser an den Erlebnissen und Erfahrungen ihrer nachhaltigen Weltumrundung teilhaben.

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