Eine wundervolle Reise durch Tibet
Sebastian & Leo in Tibet

Leo und ich reisen um die Erde. Als wir in Nepal ankommen, blockiert auf einmal das höchste Gebirge der Welt unseren Weg. Kommen wir hier weiter? In Kathmandu schließen wir uns einer Reisegruppe an, mit der wir in neun Tagen quer durch den Himalaya bis nach Lhasa gelangen wollen.

Einreise nach Tibet

Heute geht es los. Es ist 4 Uhr früh und noch stockdunkel, als wie vereinbart ein Taxi vor unserem Hostel hält. Ein besonderer Tag liegt vor uns und sowohl Leo als auch ich sind richtig aufgeregt. Nie hätten wir uns zu Beginn unserer Weltreise träumen lassen, dass wir es von Deutschland aus ohne zu fliegen bis nach Tibet schaffen würden. Doch genau dort fahren wir heute hin.

Der Taxifahrer bringt uns ins Zentrum Kathmandus, wo wir Elli aus Belgien und João aus Brasilien treffen. Die beiden sind Teil unserer Reisegruppe und zusammen werden wir in einem Geländewagen zur nepalesisch-chinesischen Grenze gefahren. Die kleine Straße, die immer weiter in die Berge hineinführt, ist in einem sehr schlechten Zustand und wir sind froh, als wir nach fünf Stunden holpriger Fahrt endlich am nepalesischen Grenzgebäude ankommen.

Die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt. Unser Fahrer lässt uns vor einer Brücke aussteigen. Den letzten Abschnitt müssen wir zu Fuß zurücklegen und so schultern wir unsere Rucksäcke. Hinter dem imposanten chinesischen Grenzgebäude ragt eine massive Bergkette weit in den Himmel hinauf. Das muss Tibet sein!

Das Ziel unserer Reise: Der Potala-Palast in Lhasa

Durch karge Weiten hinauf auf die höchsten Pässe

Nach einer ersten Übernachtung in der Stadt Kerung fahren wir am nächsten Morgen zusammen mit unserem tibetischen Guide Nima hinein in die Berge. Immer höher hinauf führt uns der Friendship Highway, der in einem sagenhaft guten Zustand ist. Mit dem Wetter haben wir großes Glück, denn auch wenn es aufgrund der Höhe immer kühler wird, erleben wir das tibetische Plateau bei schönstem Sonnenschein.

Die Landschaft jenseits der 4.000 Meter kommt mir sehr karg, regelrecht lebensfeindlich vor. Nima erklärt uns, dass hier fast ausschließlich Kartoffeln und Zwiebeln angebaut werden, da unter den extremen klimatischen Bedingungen kaum etwas anderes wächst. Um hier oben leben zu können, sind die Tibeter auf das Fleisch ihrer Yaks angewiesen, die wir auf den Feldern herumspazieren sehen.

Über langgezogene Serpentinen windet sich unser Bus in immer größere Höhen. Obwohl wir nicht ausreichend akklimatisiert sind, fahren wir hinauf auf den 5.236 Meter hohen Ma La Pass. Die Luft hier oben ist dünn und die große Höhe macht sich bei mir und einigen unserer Mitreisenden mit Kopfschmerzen bemerkbar. Gleichzeitig ist die Landschaft hier im doppelten Sinne atemberaubend. Das tibetische Hochplateau in Kombination mit schneebedeckten Bergketten ist einfach traumhaft schön!

Die karge Landschaft wirkt auf mich lebensfeindlich und wunderschön zugleich.

 

Zeit für Kultur

Nachdem uns an den ersten Tagen vor allem die spektakuläre Berglandschaft beindruckt hat, bekommen wir an Tag vier der Tibet-Reise unser erstes tibetisches Kloster zu Gesicht. Der Besuch des berühmten Trashilhünpo-Klosters, dem traditionellen Sitz des Penchen Lama, lässt uns den Atem stocken. Als wir die riesige vergoldete Statue des Maitriya-Buddha mit eigenen Augen sehen, können wie die besondere Stimmung an diesem Ort spüren.

Guide Nima erklärt uns, dass früher bis zu 7.000 Mönche im Trashilhünpo-Kloster wohnten. Heute sind es immer noch um die 900. Das Kloster ist so groß, dass es uns an eine eigene kleine Stadt erinnert. Was mich besonders freut: Alles wirkt authentisch und ursprünglich, wie ein ganz normaler Ort des tibetischen Lebens. Wir sehen viele Tibeter, die beten oder sich mit Freunden unterhalten. Es herrscht eine angenehme, positive Atmosphäre, auch wenn jeder Winkel der Anlage von den zahlreichen Überwachungskameras genauestens im Blick behalten wird.

Auf unserem Weg in Tibets Hauptstadt Lhasa stoppen wir noch im Pelkhor Chöde Kloster, in dem uns vor allem der große Stupa Kumbum mit seinen vier Stockwerken, 108 Kapellen und über 10.000 Wandbildern fasziniert. Auch die mystisch anmutende Bibliothek des Klosters mit den in farbige Stoffbahnen eingeschlagenen Gebetsbüchern macht unseren Besuch hier zu einem besonderen Erlebnis.

Im Pelkhor Chöde Kloster staunen wir über goldene Stupas und die zahlreichen Bücher der Klosterbibliothek

Leuchtendes Lhasa

Nach fünf Tagen Roadtrip erreichen wir Lhasa. Lhasas historisches Zentrum ist sehr gut erhalten, doch außerhalb davon wirkt Tibets Hauptstadt auf mich wie eine chinesische Großstadt: Vierspurige Schnellstraßen führen vorbei an Hochhäusern, Einkaufszentren und Supermärkten. Zum Glück sieht es in der Altstadt anders aus und am Abend schlendern wir gemütlich auf dem Barkhor, einem 800 Meter langen historischen Pilgerweg, rund um den berühmten Jokhang-Tempel.

Wir beobachten eine Gruppe junger Tibeter, die sich Plastiksäcke übergezogen und ihre Hände und Knie mit Schonern geschützt haben. Sie laufen nicht nur um den Jokhang-Tempel herum, sie beten mit vollem Körpereinsatz. Dabei gehen sie auf die Knie, legen sich auf den Bauch, strecken die Arme weit von sich, falten die Hände einmal kurz zum Gebet und stehen wieder auf, gehen zwei Schritte und beginnen von vorne. Langsam bewegen sie sich auf dem Pilgerweg voran und die anderen Menschen machen ihnen bereitwillig Platz.

Am nächsten Morgen steht für unsere Gruppe Sightseeing auf dem Plan und gemeinsam besuchen wir den Potala-Palast, den mächtigen Wintersitz des Dalai Lama. Nachmittags besichtigen wir das Innere des Jokhang-Tempels und statten dem Norbulinka, dem Sommerpalast des Dalai Lama, einen Besuch ab. An unserem letzten Tag in Tibet dürfen wir der Debattierstunde im Sera-Kloster beiwohnen. Die religiöse Streitkultur der Mönche zieht uns in ihren Bann und staunend beobachten wir das Jahrhunderte alte Ritual.

Voller Einsatz diskutieren die Mönche im Sera-Kloster und klatschen zur Bekräftigung ihres Arguments geräuschvoll in die Hände.

 

Zugfahrt nach Chengdu

Viel zu schnell gehen unsere Tage in Tibet zu Ende. Die spektakuläre Natur des tibetischen Hochlands hat uns mit seinen schier unendlichen Weiten und schneebedeckten Gebirgsketten nachhaltig begeistert. In den durchweg sehr gut erhaltenen Klöstern und religiösen Tempeln erhielten wir Dank der Erklärungen unseres tibetischen Guides Nima einen umfassenden Eindruck in die Kultur der Menschen einer der faszinierendsten Gegenden der Erde.

Es wird Zeit Abschied zu nehmen. Am Bahnhof in Lhasa steigen wir in den Zug, der uns erst nach Xining und anschließend nach Chengdu bringen wird. 36 Stunden soll die Fahrt dauern, zwei Nächte werden wir in einem 6er-Abteil des Zugs schlafen. Wie es wohl wird auf einer der hochgelegensten Zugstrecken der Welt in über 4.000 Meter Höhe durch die tibetischen Berge zu fahren? Wir sind gespannt!

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Über den Autor

Leo und Sebastian von eins2frei
Leo und Sebastian von eins2frei
Leo Sibeth und Sebastian Ohlert kündigen ihre Wohnungen und Jobs, um im März 2017 zu einer Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufzubrechen. In Richtung Osten gestartet, kehrten die beiden nach 3 Jahren aus dem Westen zurück nach Hause, ohne je einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt zu haben. Auf ihrem Reiseblog www.eins2frei.com lassen die beiden ihre Leser an den Erlebnissen und Erfahrungen ihrer nachhaltigen Weltumrundung teilhaben.

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