China: Fledermäuse bringen nicht immer Glück

Fledermaus heißt auf Chinesisch Bian Fu und Fu heißt Glück, deswegen ist die Fledermaus ein Symbol für Glück in China. Man sieht oft Muster in Form von einer Fledermaus als Glücksymbol, z.B. am Sommerpalast sind einige Kalligraphie zu sehen. Das Schriftzeichen Shou, langes Leben, ist von der Kaiserinwitwe Cixi auf einem Papier geschrieben. Auf diesem Papier sind viele bemalte Fledermäuse im Hintergrund, also steht das Papier für ein langes Leben und viel Glück.

Dieses Jahr ist in China das Jahr der Ratte oder Maus. Wir Chinesen haben zwar immer eine gute Fantasie, aber diesmal können wir uns nicht vorstellen, was das Jahr der Ratte/Maus mit der Fledermaus zu tun hat. Da ja die Fledermaus eigentlich keine Maus ist, sondern ein Zeichen des Glücks ist.

Fledermaus am Sommerpalast

Das Jahr der Ratte in China

Also, wie alle in der ganzen Welt wissen, hat das Jahr der Ratte für uns ganz schwer begonnen. Ohne richtige Feierlichkeiten, ohne Treffen mit Verwandten und Freunden, sogar ohne großes Festessen mit der ganzen Familie. Durch den Ausbruch des neuartigen Corona-Virus müssen wir alle zu Hause bleiben und dieser Virus hat vielleicht mit der Fledermaus zu tun. Es könnte sein, dass Menschen das Fleisch der Fledermaus gegessen haben und sich dabei infiziert haben. Es wird nämlich angenommen, dass die Fledermaus der Virushost ist. Denn die ersten Erkrankten haben einen bekannten Tiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan besuchen, dort standen alle möglichen Tiere für Delikatessen zum Verkauf.

Bis jetzt können die Fachleute nicht feststellen, wie und woher dieser Virus kam. Man weiß aber, dass Fledermäuse, Manis und Füchse die Zwischenhost sind.
Als ich las, was es alles auf diesem Tiermarkt zu kaufen gibt, musste ich an die SARS Pandemie in 2003 zurückdenken. Wenn wir uns erinnern, vor 17 Jahren hat man festgestellt, dass Menschen Fuchs gegessen hatten, somit den Virus von dem Tier in sich aufgenommen haben und weitere Menschen angesteckt haben.
Als Chinesin frage ich mich, was haben wir falsch gemacht? Was sollen wir jetzt essen, wenn wir uns jetzt satt essen können und die große Auswahl haben? Was sollen wir für die Natur tun? Wie sollen wir die Tiere, andere Lebewesen, behandeln?

Chinas Küche ist weltbekannt

Wir sind immer Stolz darauf, dass die chinesische Küche in der ganzen Welt bekannt und beliebt ist. China ist sehr groß und aus geographischem Gründen ist die Küche auch überall unterschiedlich. Wie z. B. in Sichuan, wo es sehr heiß und feucht ist, isst man gerne scharf, damit man viel schwitzt. Die Einheimischen glauben, scharfes Essen hilft bei Rheuma, denn die Feuchtigkeit wird mit dem Schweiß aus dem Körper geholt.
Im Norden, wo es im Winter sehr kalt ist, isst man gerne Sauerkraut, wie in Deutschland. Das hiesige Sauerkraut wird aus Chinakohl hergestellt. Denn es ist so kalt, dass im Winter kein frisches Gemüse wächst und man den Chinakohl nicht aufbewahren, sondern nur einlegen kann. Es passt auch gut zu Fleisch, da im Norden mehr Fleisch gegessen wird. Im Süden hingegen, wo es warm ist und es viel Wasser gibt, isst man mehr Fisch und Gemüse. Nicht zu vergessen ist die Kantonküche, welche sehr bekannt ist. Man sagt: “Die Kantonesen essen alles was im Himmel fliegt, außer Flugzeuge, alles was vier Beine hat, außer Tische und Stühle und alles was im Wasser schwimmt, außer U-Boote”. Das ist natürlich nur eine Redewendung und im Kanton isst man normale Speisen wie überall.

Alles essen ist nicht gut

Ich habe mich gefragt, warum wir Chinesen alles essen. Ich glaube, China ist ein Land der Landwirtschaft. In China ist man hauptsächlich Getreide und Gemüsen. Tiere zu züchten ist nicht ganz üblich. In den Jahren, wenn die Ernte nicht ertragreich war, hatte die Menschen Hunger. Bis heute essen wir im Frühjahr von einigen Bäumen die Blätter. Z. B. jedes Jahr machen viele Leute Gerichte mit Akazien oder Tsubak Blätter. Heutzutage ist das für uns das Geschenk des Frühlings, aber in den Jahren der Hungersnot, war dies vielleicht der Geschmack der Hoffnung und die Möglichkeit zu überleben. Es wurde gegessen, was man kriegen konnte.
Das kann ich sehr gut verstehen, aber jetzt haben wir doch viele Möglichkeiten satt zu werden. Warum isst man weiterhin diese Tiere? Die Wildtiere sollen doch in der Natur bleiben und wir sollen nichts gegen die Natur tun. Mit der Natur und in der Natur harmonisch zu leben gehört doch zu den chinesischen Philosophien!

Das ist kein Witz. China stand für mehrere Jahre still und war geschlossen. Wir waren arm und hatten nicht genug zu essen. In den letzten Jahren haben wir zu schnell alles nachgeholt. Es gibt Leute, die ganz schnell und leicht reich geworden sind. Sie können es selbst nicht fassen und wollen jedem zeigen, wie reich sie sind. Sie wollen etwas besonders probieren, um zu zeigen, dass sie außergewöhnlich sind. Vielleicht ist das ein Grund, warum Tiere, wie Fledermäuse, gegessen werden.
Ich bin auch dagegen, dass man Hunde isst. Man sagte mal zu mir; Du isst doch auch Fleisch vom Schwein, Rind und so weiter. Ja, stimmt, aber sie wurden als Nahrungsmittel gezüchtet. Hunde aber nicht. Sie wurden zwar auch gezüchtet, aber als Haustier.

Keine Fledermaussuppe, aber ein chinesischer Feuertopf

Ich habe auch gelesen, dass es in Palau eine Fledermaus-Suppe gibt. Die Tiere wurden mit Früchten gezüchtet. Ich mag es nicht, solche wilden Tiere zu züchten, um diese dann zu essen.
In Tibet begründen die Tibeter ihren Verzehr des Jak Fleisches so, die Tiere sind groß und ein Jak kann viele Menschen ernähren. Da frag ich mich doch, wie viele Fledermäuse müssen gegessen werden, um wirklich satt zu werden. Wie viele Früchte und welche Mühe braucht man, um genügen Fledermäuse zu züchten, damit alle satt werden. Dabei ist es ja bekannt, dass Fledermäuse Hosts sind für viele unterschiedliche Viren. Wir sollten diese Tiere einfach in der wilden Natur lassen.
Nach dem wir alle 5 Wochen möglichst zu Hause geblieben sind, sieht es jetzt hier in China jeden Tag etwas besser aus. Das passt zu meiner Schätzung von vor 3-4 Wochen. Aber aktuell stecken sich in Japan, Südkorea und in Europa, besonders in Italien, immer mehr an dem Virus an. Das beunruhigt uns sehr.
Man hat jetzt Zweifel, wie dieser Virus in die Länder gekommen ist, denn vielen der Kranken außerhalb Chinas haben überhaupt nichts mit dem Land, mit Chinesen und Coronavirus-Patienten zu tun gehabt.

Ich glaube, egal, ob dieser Virus mit dem Verzehr von Fledermäusen zu tun hat oder nicht, ist es in China an der Zeit, die Esskultur zu ändern! Wenn Interesse oder Neugierde für diese wilden Tiere vorhanden sind, kann man sie in vielerlei Hinsicht kennenlernen ohne sie gleich zu essen!

 

Über den Autor

Li Lin
Li Lin
Lin, Reiseleitung in China freut sich über ihr Land berichten zu können. Geschichte und Kulinarik sind ihre Leidenschaften, welche sie auf ihren Reisen den Gäste näher bringt.

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