Kathmandu und seine Sehenswürdigkeiten

Nepals Hauptstadt zeigt sich nicht unbedingt von ihrer besten Seite, als wir sie nach einer langen Busfahrt von Indien aus erreichen. Eine Blechlawine schiebt sich im unendlichen Stau durch die Straßen, überall wird gehupt und die Luft ist zum schneiden. Alte Lastwagen stoßen dunkle Abgase aus und durch die vielen Baustellen hängt Staub in der Luft. „Kathmandu ist nur zum Ankommen. Nach ein, zwei Tagen verlässt jeder fluchtartig die Hauptstadt“, lesen wir im Internet. Doch Sebastian und ich haben andere Pläne. Nach über zwei Monaten in Indien und vielen tausend Kilometern in Zügen wollen wir hier in Kathmandu eine Pause einlegen und die Eindrücke der letzten Monate sacken lassen. Ob wir mit Kathmandu den richtigen Ort für eine solche Reiseunterbrechung gewählt haben?

Was das Wohnen angeht, haben wir Glück. In einem familiengeführten Gästehaus am Fuße des „Monkey Temple“ Swayambunath beziehen wir ein Apartment auf der Dachterrasse. Wir haben nun ein Zimmer, ein kleines Bad und eine winzige Küchenzeile ganz für uns alleine und einen direkten Zugang zur großen Terrasse. Nachts wird es im Februar kalt in Kathmandu, das auf etwa 1.500 Metern liegt. Doch wenn tagsüber die Sonne scheint, klettern die Temperaturen auf angenehme 20 Grad.

Früh am morgen liegen die Straßen noch still vor uns

Swayambunath – bester Blick über Kathmandu

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, sehen wir von unserer Terrasse aus den auf einem Hügel thronenden Tempel Swayambunath ungewöhnlich klar vor uns liegen. Gestern war er noch von einer Smogglocke umgeben, doch heute ist der Himmel regelrecht blau. Nach dem Frühstück laufen wir los und stehen bald schon am Fuße einer langen Treppe. 365 Stufen führen uns hinauf zum Tempel, rechts und links der Stufen hüpfen Affen durchs Gebüsch oder dösen in der Sonne. Wegen ihnen wird der Tempel auch „Monkey Tempel“, der Affentempel, genannt.

Je weiter wir die Treppe nach oben steigen, desto größer erhebt sich ein großer Stupa vor uns. An jeder der vier Seiten blicken aufgemalte Augen auf die Hauptstadt herab. Im Uhrzeigersinn umrunden wir mit anderen Besuchern den weiß-goldenen buddhistischen Stupa und drehen die Gebetsmühlen. Laut Wikipedia ist Swayambunath eine der ältesten buddhistischen Tempelanlagen der Welt, auf 2.500 Jahre werden die inneren Bauten datiert. Beim schlimmen Erdbeben 2015 wurden einige von ihnen schwer beschädigt, aber der Stupa blieb erhalten.

Für uns ist Swayambunath ein besonderer Ort in Kathmandu. Wir spüren hier eine in der Hauptstadt seltene Ruhe und beobachten die Menschen bei ihrem meditativen Gang durch die Tempelanlage. Von hier oben aus haben wir zudem einen tollen Blick über Nepals Hauptstadt und können an diesem klaren Tag sogar einige Gipfel des Himalaja in der Ferne erkennen.

Der Affentempel Swayambunath thront auf einem Hügel im Westen Kathmandus

Bodnath – das buddhistische Zentrum Kathmandus

Neben Swayambunath gibt es in Kathmandu einen weiteren Tempel, den wir auf jeden Fall sehen möchten: Bodnath oder auch Boudha. Mit dem Taxi fahren wir vom Westen Kathmandus in den Osten. Wie auch bei Swayambunath steht in Bodnath ein großer Stupa im Zentrum der Anlage. Befindet sich der Affentempel aber auf einem Hügel im Grünen, so ist Bodnath umrundet von Häusern, Restaurants und Souvenirständen.

Der Atmosphäre tut das aber keinen Abbruch. Auch hier schauen die wachsamen Augen des Buddha in alle vier Himmelsrichtungen, während die Gläubigen den Stupa im Uhrzeigersinn umrunden. Später lesen wir, dass Bodnath seit Jahrhunderten ein wichtiges Ziel buddhistischer Pilger aus Nepal und den umliegenden Ländern ist. Wir selbst erkennen nicht, welche Besucher aus Kathmandu stammen und welche von weit weg her angereist sind, aber ebenso wie bei Swayambunath genießen wir die ruhige und gelassene Atmosphäre, die über der Anlage liegt.

Gebetsmühlen befinden sich am Fuße des Stupa von Bodnath und werden von den Gläubigen im Uhrzeigersinn in Bewegung gesetzt

Durch die engen Straßen Kathmandus

Nach zwei Tempelbesuchen bekommen wir Hunger. Gestern gab uns der Hausherr unserer Unterkunft einen Restauranttipp, den wir ausprobieren möchten. Mit dem Taxi fahren wir zurück ins Zentrum Kathmandus. Die Straßen werden voller, bald schon stehen wir wieder im Stau. Auf der Karte sehen wir, dass wir uns längst schon in Laufentfernung zum Restaurant befinden. Zu Fuß stürzen wir uns in das Straßengewirr und lassen die Hauptstraße hinter uns. Kleine Gassen öffnen sich vor uns, Menschen laufen hindurch, Obst- und Gemüsestände sind aufgebaut, Läden haben ihre Auslagen auf die Straße verlagert. Motorräder knattern vorbei und ab und an fordert ein Taxi hupend die Durchfahrt.

Mittagessen in Kathmandu

Direkt am Durbar Square, dem Platz vor Kathmandus altem Königspalast, befindet sich das Restaurant, das wir heute ausprobieren möchten. Es gibt nur ein einziges Gericht im Angebot und das sind Momos. Momos sind gefüllte Teigtaschen, die den schwäbischen Maultaschen ähneln. Gefüllt werden sie hier mit Schweinefleisch oder Gemüse und dann im Wasserdampf gegart.

Serviert werden sie mit einer pikanten Sauce, die für mich höllisch scharf ist. Meiner Nebensitzerin dafür aber nicht scharf genug, denn sie schüttet sich großzügig Chilisauce auf ihren Teller und lacht, als sie meinen überraschten Blick bemerkt. Sie mag das Brennen im Mund, ohne das würde es gar nicht richtig schmecken, sagt sie. Mir geht es da genau anders, ich schätze es sehr, wenn ich noch etwas von meinem Essen schmecken kann und der Geschmack nicht vor lauter Schärfe untergeht.

Die Momos sind so lecker, dass Sebastian sich ein zweites Mal in dem kleinen Restaurant in die Schlange stellt und uns einen weiteren Teller bestellt. Hier müssen wir in der kommenden Zeit unbedingt noch einmal essen gehen.

Momos gibt es in vielen unterschiedlichen Variationen und sollten bei einem Besuch unbedingt probiert werden

Müde von den Eindrücken des Tages und den vielen leckeren Momos machen wir uns zu Fuß auf den Weg zurück zu unserer Wohnung. Auf dem Heimweg kaufen wir uns in einem kleinen Geschäft die Zutaten für unser Abendessen. Es soll Reis geben mit Gemüse und in dem Laden bekommen wir alles, was wir zum Kochen brauchen.

Jetzt im Februar ist Granatapfelzeit. Als Pyramiden angeordnet, bieten die Geschäfte das leckere Obst an und wir kaufen uns einen als Frühstückszugabe. Außerdem noch kleine Bananen, die unglaublich süß schmecken.

Faszinierendes Kathmandu

Am Ende verbringen wir drei Wochen in Kathmandu. Und obwohl uns anfangs einiges Negative auffiel – die schlechte Luft, der Lärm, der Müll am Straßenrand – so hat Kathmandu doch auch eine faszinierende Seite. Sehenswürdigkeiten finden sich über die Stadt und sogar das ganze Kathmandutal verstreut und möchte man jede einzelne besuchen, sollte man ein paar Tage vor Ort einplanen.

Für uns sind es aber die Streifzüge durch die Straßen Kathmandus, die wir schätzen gelernt haben, bei denen wir überraschend auf Innenhöfe stoßen, kleine Tempel finden, Obststände mit kunstvoll geschichteten Auslagen bewundern, in kleinen Restaurants Leckeres essen oder einen Kaffee in einer Einkaufsmall trinken. Kathmandu hat viele Gesichter und wir merken schnell, dass trotz den ersten chaotischen Eindrucks von Nepals Hauptstadt dieser Ort genau der richtige ist, um unsere Reise für ein Weilchen zu unterbrechen.

Auch wenn die Hauptstadt Nepals im ersten Moment chaotisch wirkt, so hat sie doch sehr viel Sehenswertes zu bieten und lohnt auf jeden Fall einen Besuch

 

Über den Autor

Leo und Sebastian von eins2frei
Leo und Sebastian von eins2frei
Leo Sibeth und Sebastian Ohlert kündigen ihre Wohnungen und Jobs, um im März 2017 zu einer Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufzubrechen. In Richtung Osten gestartet, kehrten die beiden nach 3 Jahren aus dem Westen zurück nach Hause, ohne je einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt zu haben. Auf ihrem Reiseblog www.eins2frei.com lassen die beiden ihre Leser an den Erlebnissen und Erfahrungen ihrer nachhaltigen Weltumrundung teilhaben.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar