Reisen ist toll. Weit entfernte Länder, fremde Kulturen, großartige Natur, unbekanntes Essen, neue Freunde. All das begeistert mich. Doch es gibt auch eine Schattenseite. Immer wieder erschrecke ich, wie viel Müll ich im Reisealltag verursache und wie schwierig es ist, diesen sinnvoll zu entsorgen. Ganz oben auf der Müllliste steht: Plastik. Was kann jeder von uns tun, um möglichst plastikfrei unterwegs zu sein?

Ein Bewusstsein für Müll und seine Folgen entwickeln

Ich sitze am Strand und schaue hinaus aufs Meer. Kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen und ich habe es mir auf meinem Badetuch im Sand gemütlich gemacht. Die Sonne brennt unablässig herab und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mich im glasklaren Wasser abzukühlen.

Doch stopp, etwas hält mich zurück. Wenn ich auf das vor mir liegende Meer schaue, ist eines nicht zu übersehen: Überall schwimmt Müll. Und das bedeutet vor allem Plastikmüll. Neben einer Getränkeflasche treibt eine Chipstüte, ich sehe einen leeren Shampoo-Behälter, einen zerschlissenen Gummistiefel und bunte Plastiktüten, die wie wabernde Quallen im Wasser herumtreiben. Nein, hier möchte ich lieber nicht baden.

Ich finde es schrecklich, dass sich hier so viel Müll angesammelt hat. Doch gleichzeitig weiß ich, dass auch ich beim Reisen jeden Tag eine gewaltige Menge Müll verursache. Eine Flasche Wasser gegen den Durst, ein Eis vom Kiosk, eine Packung Kekse vom kleinen Laden nebenan. All diese Dinge haben eine Verpackung, die in den meisten Fällen aus Plastik besteht und nur ein einziges Mal verwendet werden kann.

Plastik satt: Jeder Keks ist einzeln verpackt

Strategien zur Plastikvermeidung

Um während einer Reise möglichst wenig Plastikmüll zu verursachen, setzen Leo und ich auf ähnliche Strategien, die wir aus unserem Leben in Deutschland kennen. Statt uns an der Supermarktkasse alle Einkäufe in Plastiktüten verpacken zu lassen, bringen wir unsere Tagesrucksäcke oder eine Stofftasche mit. Ein einfacher aber effektiver Weg, um Müll zu vermeiden. Noch besser als der Einkauf im Supermarkt ist der Besuch lokaler Märkte. Hier ist in der Regel gar nichts in Plastik eingepackt. Dadurch sparst du mit deinem Einkauf Verpackungsmaterial und unterstützt nebenbei die Bauern vor Ort.

In Restaurants oder Cafés bitten wir darum, unser Essen auf wiederverwendbarem Geschirr zu servieren, wenn wir bemerken, dass ansonsten Einweggeschirr zum Einsatz kommt. Ist das nicht möglich, so suchen wir uns ein anderes Restaurant mit einem nachhaltigeren Konzept.

Während unserer Weltreise haben wir an verschiedenen Orten die Erfahrung gemacht, dass bereits wirksame Maßnahmen zur Plastikvermeidung etabliert sind. In San Pedro La Laguna am Atitlán-See in Guatemala ist es beispielsweise seit einigen Jahren im gesamten Stadtgebiet verboten, Plastiktüten auszugeben. Stattdessen bringen die Kunden selbst Behältnisse oder einen Stoffbeutel für ihre Einkäufe mit. Auch gibt es in fast ganz Mittelamerika Initiativen, die Strohhalme aus Plastik verbieten. Eine ausgezeichnete Idee.

In einem chinesischen Restaurant ist sämtliches Geschirr und Besteck in Plastik eingeschweißt 

Trinkwasser auf der Reise

Jeder von uns muss Wasser trinken, 2-3 Liter täglich. Zu Hause haben wir die luxuriöse Situation, einfach den Wasserhahn aufdrehen zu können und zu jeder Zeit sicheres Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Auf einer Reise ist das außerhalb von Europa in nur wenigen Ländern der Welt möglich. Oft greifen wir im Urlaub zur Einwegplastikflasche, um mit einem sicheren Gefühl unseren Durst stillen zu können. Rechnet man hoch, wie viel Plastikmüll dieses Verhalten täglich verursacht, kommen erschreckende Mengen zusammen. Doch es geht auch anders.

Der einfachste und wirkungsvollste Weg ist es, eine eigene Wasserflasche im Reisegepäck zu haben. Viele Hotels, aber auch kleinere Unterkünfte, bieten ihren Gästen an, sich kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr Wasser aus wiederverwendbaren Pfandkanistern in die eigene Trinkflasche umzufüllen. Bei unserer 3-wöchigen Radtour in Vietnam haben wir die Erfahrung gemacht, dass auch viele Restaurants Wasserkanister haben, von denen sich Gäste Trinkwasser abfüllen dürfen.

Eine Möglichkeit, um selbst sicheres Trinkwasser herzustellen, ist der sogenannte SteriPen, den wir in unserem Gepäck haben. Mithilfe einer UV-Lampe werden innerhalb von 90 Sekunden alle Viren und Bakterien aus einem Liter Wasser abgetötet. Vor allem in abgelegenen Gebieten, wie beispielsweise während einer Wanderung im Gebirge, ist das eine prima Option.

Sebastian füllt während unserer Radtour in Vietnam Wasser aus einem Mehrwegkanister in seine Trinkflasche ab

Müll richtig entsorgen

Beim Reisen angefallenen Müll richtig und sinnvoll zu recyceln ist eine Herausforderung. In vielen Ländern gibt es (noch) keine ausreichende Infrastruktur, die den Müll von Privathaushalten oder Hotels einer sinnvollen Verwertung zuführt. Daher wird der Müll oft nicht getrennt, alles kommt in dieselbe Tonne. Doch fast immer gibt es auch Möglichkeiten zu recyceln – man muss sich allerdings eigeninitiativ erkundigen und gezielt danach suchen.

Häufig werden Plastikflaschen, Papier, Dosen, Glas und Batterien an zentralen Sammelstellen recycelt. Wenn wir auf Reisen für mehrere Tage am selben Ort sind, versuchen wir herauszufinden, wie das lokale Müllsystem funktioniert, damit wir unseren Müll entsprechend trennen, sammeln und abgeben können. Bei unserem House Sit in Guatemala gab es eine Art Müllkalender, von dem wir allerdings nur Dank Gesprächen mit den Nachbarn erfuhren. An festgelegten Wochentagen wurde jeweils eine bestimmte Müllsorte abgeholt.

In Pokhara in Nepal wollten wir die leeren Batterien unserer Stirnlampe an einer Sammelstelle abgeben. Als wir uns in einem kleinen Laden, der selbst Batterien verkauft, nach einer Abgabestelle informierten, wussten die Mitarbeiter keinen Rat und gaben uns den Tipp, die Batterien doch einfach auf der Wiese nebenan zu vergraben. Mit dieser Antwort wollten wir uns nicht zufriedengeben. Als wir uns bei weiteren Einheimischen erkundigten, erfuhren wir, dass leere Batterien an einem bestimmten Wochentag von der Müllabfuhr eingesammelt werden. Auch dieses Beispiel zeigt, dass es sich lohnt, sich vor Ort zu informieren.

Gesehen in El Salvador: “Müll spricht nicht, aber er sagt viel über Sie aus” 

Mit Eigeninitiative nachhaltiger reisen

Um nachhaltiger zu reisen und plastikfreier unterwegs zu sein, muss man kein Umweltexperte sein. Mit einfachen Maßnahmen und einer Portion Eigeninitiative ist es möglich, den individuellen Plastikkonsum drastisch zu reduzieren. Indem wir als Touristen weniger Müll produzieren, hinterlassen wir am Reiseziel geringere Spuren und tragen so dazu bei, Reiseziele durch unseren Besuch nicht übermäßig zu belasten.

Unser Tipp: Einfach mal ausprobieren! Überlege dir für deine nächste Reise, wie du (Plastik-)Müll vermeiden kannst und packe deine kleinen Helfer ein: Ein Stoffbeutel für Einkäufe sowie eine Trinkflasche. Genau wie wir, wirst du wahrscheinlich nicht von Anfang an komplett plastikfrei reisen können, doch mit der Zeit immer weiter dazulernen. So macht das Reisen gleich doppelt Spaß!

Noch mehr Tipps und Empfehlungen haben Leo und Sebastian in ihrem Guide “Nachhaltig reisen” zusammengetragen.

Über den Autor

Leo und Sebastian von eins2frei
Leo und Sebastian von eins2frei
Leo Sibeth und Sebastian Ohlert kündigen ihre Wohnungen und Jobs, um im März 2017 zu einer Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufzubrechen. In Richtung Osten gestartet, kehrten die beiden nach 3 Jahren aus dem Westen zurück nach Hause, ohne je einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt zu haben. Auf ihrem Reiseblog www.eins2frei.com lassen die beiden ihre Leser an den Erlebnissen und Erfahrungen ihrer nachhaltigen Weltumrundung teilhaben.

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