Situation in Rom, Italien – Postings von Pizza & Torten – Backpulver Mangelware
Deckengemaelde in der Villa de Este

Schon länger wollte ich mit unserer Reiseleiterin Sylvia aus Rom ein kleines Interview führen, wo sie über die spannende Geschichte, eindrucksvollen Schauplätze und die niedlichen Gassen der Stadt Rom berichtet. Früher war Rom bekannt als der Nabel der Welt, als der Ursprung wo sich ein mächtiges Imperium ausgebreitet hat, dass uns auch in der deutschen Geschichte geprägt hat. Doch das war vor rund 1.600 Jahren.
In der Zwischenzeit ist auch vieles passiert, an das sich die Menschen erinnern. So stehen wir jetzt wieder an einem Punkt, den wir nicht so schnell vergessen werden. Aufgrund der Umstände in Italien konnte mir Sylvia nicht von ihrem eindrucksvollen Rom schwärmen, wie sie es sonst kann, sondern berichtete mir aus der aktuellen Situation des Lebens und nicht aus dem Jahre vor Christus.
Sicher, die Bauten der Römer sind eindrucksvoll und womöglich kann man ihre gänzliche Schönheit nur bei einem live-Besuch entdecken. Wie zum Beispiel das Kolosseum, eines der sieben Weltwunder der Neuzeit. Doch aktuell konzentriert sich jeder auf die wesentlichen Dinge des Lebens.

Titus-Bogen im Forum Romanum, Rom
Römischer Triumph-Bogen zu ehren des Caesar Titus Flavius Vespasianus

Sylvia berichtet aus den Corona-Zeiten
[KW 14, 2020]

Lieber Eric, entschuldige bitte, wenn ich so spät antworte.
Ich habe eine Weile gebraucht, um mich den Fragen zu stellen, die Situation ist aktuell nicht einfach.

Die Situation in Italien: Wir haben jetzt schon 3 Wochen „Hausarrest“ – Quarantäne. Dazu gibt es Polizeikontrollen und hohe Strafen für Undiszipliniertheit. Jeder muss ein Formular dabeihaben, dass begründet, weshalb und wohin man unterwegs ist. Ich selbst bin schon zweimal kontrolliert worden. Man darf nur allein zum Einkaufen gehen. Auf den Straßen tragen alle Masken, besonders das Verkaufspersonal im Supermarkt ist immer sehr penibel und ordentlich. Doch müssen wir nun ständig anstehen. Vor dem Supermarkt steht meist eine Schlange. Man muss oft 20 – 30 Minuten vor jedem Supermarkt warten.

Neben dem Hausarrest haben die meisten Leute, die ich kenne, mehr Angst wegen Geldmangels und Arbeitslosigkeit, also große existentielle Not, als Angst vor Corona. Hier in Italien hilft der Staat nur sehr wenig. Wer, so wie ich, im Tourismus arbeitet, ist aufgeschmissen! Gestern zum Beispiel, bat mich eine ältere Kollegin ihr Geld auszuleihen und ich musste ihr absagen – mein Mann und ich sind beide Freiberufler und verdienen momentan nichts.

In Rom sind nicht viele Corona-Fälle, aber wir passen auch alle sehr gut auf und halten Abstand.

In meinem Stadtgebiet sehe ich kaum Jugendlichen oder Kinder, wenig Erwachsene. Nachts ist Rom eine Geisterstadt.

Aber meinen Kindern macht es nicht so viel aus – mit Playstation und Nintendo aufgewachsen, haben sie immer eine Ablenkung, da macht es ihnen nichts, wenn sie auch bei schönem Wetter im Haus sitzen. Meine Kinder sind zu viert und leisten sich Gesellschaft. Ich habe drei Söhne – 24, 18, 16 Jahre und Marlene mit 11 Jahre.
Ich habe nun den ganzen Tag mit kochen, saubermachen und einkaufen genug zu tun. Hier in Rom isst man üblicherweise zweimal am Tag warm. Alle Freunde posten Bilder von Pizza und Torten auf den sozialen Netzwerken, ja sogar die Kinder! Backpulver wird mittlerweile unter dem Ladentisch gehandelt, es ist absolute Mangelware!

Seit der Hausarrest im März um weitere zwei Wochen verlängert wurde, gehe ich einmal täglich mit meiner Jüngsten Tochter zur Dachterrasse, wo hier die Hausbewohner ihre Parabolschüssel haben. Dort spielen wir Ball und schauen runter. Ich versuche auch die Brüder mitzunehmen, manchmal klappt’s…

Also knapp gesagt ist die Situation hier ist nicht einfach. Dazu kommt, dass meine Eltern in Deutschland 84 und 86 Jahre alt sind. Da bin ich natürlich sehr betrübt, weil ich unter keinen Umständen nach Deutschland kommen kann – es ist ja alles gesperrt.

Lieber Eric, du siehst, unschöne Dinge zu schreiben ist nicht einfach und dauert lange.
Ich brauchte erst einen gewissen Abstand. Ich denke auch, dass die Menschen in Deutschland es jetzt besser verstehen, als noch vor ein paar Wochen.

 

Liebe Grüße aus Rom und passt auf euch auf!
Sylvia

 

Reisen, sobald es geht

Auch ich hoffe, dass wir bald wieder Reisen können, ohne dabei ein Virus zu verbreiten! Die Ungeduld ist groß. Sobald wir wieder in wundervolle Länder reisen können, wie nach Italien, sollten wir gerade in diese Länder reisen, die jetzt stark von der Krise betroffen sind, um so ein wenig Unterstützung zu liefern und die Geschäfte und den Tourismus wieder zum Anlaufen zu bringen.

Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf den nächsten Besuch in Rom und hoffe, dass wir bald wieder befreit reisen können.

Über den Autor

Eric Richter
Eric Richter
Die Welt hat vieles zu bieten. Wenn wir nicht gerade auf einer Reise sind, suchen wir oft nach neuen Impressionen und Reise-Geschichten aus der Welt. Damit wir uns gedanklich an traumhafte Orte sowie zu Begegnungen mit Mensch und Tier begeben können, gibt es zahlreiche Geschichten zur Inspiration.

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