Spontan ist der Plan in Peru
Lamas auf nem Truck

Als ein Freund aus Deutschland mich vor ein paar Tagen anschrieb, ob ich nicht Lust hätte, einem seiner Tourguides in Calca, Peru, bei seinem Hausbau zu helfen, hatte ich das Gefühl, dass dies eine gute Chance ist.

Eine gute Chance, um am Wochenende das Inti Raymi zu bestaunen und zugleich noch ein wenig mehr Zeit in Cusco und Umgebung sinnvoll nutzen zu können. Das Inti Raymi war eine religiöse Zeremonie der Inkas zu Ehren der Sonne. Heute feiern tausende Touristen und Besucher aus der Umgebung das Inkafest.

Ich buchte den Nachtbus und fuhr einige Tage später nach Cusco. Dort angekommen, traf ich mich am Morgen des 24. Juni (Hauptfesttag des Inti Raymi) mit Jorge Echarri Loaiza.
Während wir durch die Straßen von Cusco zogen und er mir etwas zu dem Sonnenfest erklärte, offenbarte er mir zudem seine aktuelle Situation.

Er wohnt mit seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter in einer Mietwohnung und muss am Ende des Monats in das neue Haus in Calca einziehen. Auf meine Frage, wie ich mich als gelernter Zimmermann  nützlich machen könnte, lachte er und erklärte mir, dass eigentlich nur der Rohbau stehe und im Erdgeschoss auch fast alle Fenster und Türen eingebaut seien. Aber die Küche fehlte noch und diese sei sehr wichtig. Wir verabredeten uns für den nächsten Mittag und ich machte mich auf den Weg, das Inti Raymi Spektakel zu beobachten.

Baustelle Küche Sonnenlicht
Die Küche

Manchmal kommt es anders als geplant

In Calca angekommen holten mich Jorge und seinen Tochter Vida ab und es ging direkt weiter zu der Baustelle, auf der auch schon Jorges Frau, Gabriella, arbeitet. Als wir zur Tür reinkamen, begrüßten uns gleich zwei Hunde, Milow und ‘‘Kleine‘‘, wobei der Spitzname „Kleine“ nur auf die Welpengröße damals zutraf.

bunter Hund braunes weißes Fell
Milow
wuscheliger brauner Hund mit Halsband
Kleine

Jorge zeigte mir den derzeitigen Zustand des Hauses und erklärte wie er es noch weiter gestalten wollte. Seine Ideen gefielen mir, da es am Ende eine modern-rustikale Mischung werden soll.

Abends in der Mietwohnung gab es dann Abendbrot. Omelett. Gut, steht zwar nicht grade auf dem Ernährungsplan eines Veganers, aber mit 1-2 Bier dazu und viel Gelächter über die Tatsache, dass beide mit der Situation überfordert waren, habe ich es dann doch gegessen. Natürlich fragten sie mich auch nach den Beweggründen. Ich versuchte es so einfach wie möglich zu erklären, da man über die ökologischen Gründe, moralische Verantwortung und Vorzüge der eigenen Gesundheit Gesprächsstoff für längere Zeit gehabt hätte.

Später fuhr Jorge mich dann nach Huayllabamba, ein Ort 20 Minuten von Calca entfernt, zu einem fast leerstehenden Haus seiner Mutter. Hier würde ich die kommenden zwei Wochen schlafen konnte. Nach kurzer Begutachtung seiner kreativen und handwerklichen Werke ging es dann für mich fix und fertig ins Bett.

Aller guten Dinge sind Drei

Nach der ersten Nacht in Huayllabamba, ging es für mich mit dem Bus zur Baustelle, wo Gabriella bereits Frühstück vorbereitet hatte. Avocado, Brötchen und Kaffee. Ich freute mich unglaublich darüber und Jorge verriet mir später, dass sich seiner Frau eine schlaflose Nacht bereitet hatte. Sie hatte die Nacht darüber gegrübelt, was man Veganes kochen könnte.
Ich musste sehr lachen und wies auf Pinterest hin, da Jorge es ebenfalls für handwerkliche Inspiration nutzt. Sie grinste und nahm sofort das Handy zur Hand.

Was folgte waren Chaufa sin Pollo zum Mittag und Bananen-Haferflocken Pancakes zum Abend. Das war unglaublich lieb und aufmerksam und dazu schmeckte das Essen noch fabelhaft!

Bis um halb zwei war Vida immer im Kindergarten und danach auf der Baustelle. Dieses Mädchen macht ihrem Namen alle Ehre. Immer voller Energie und ein verschmitztes Grinsen im Gesicht.
Ob sie bei den Bauarbeiten half oder mit den Hunden spielte, sie war nie müde.
Abends beim Essen lernte sie sehr wissbegierig oder alberte mit Jorge herum. Es war jedes Mal schön die beiden zu beobachten, da Jorge sehr geduldig und liebevoll mit ihr umgeht. Als ich ansprach wie süß und intelligent sie sei sagte er nur: „wäre sie nicht schon meine Tochter, würde ich sie adoptieren“.

An einem anderen Abend erwähnte er das Vida einmal traurig war, weil Jorge alle 2 Jahre sein Auto tauscht. Das ist jedoch unter anderem ein Symbolbild, denn er möchte damit seiner Tochter vermitteln, dass es ja nur Objekte sind. Objekte sind austauschbar, nicht wie bei Menschen. Ich war gerührt, da dies wieder einmal zeigte, dass Jorge die Werte, die er lebt, auch seiner Tochter weitergeben will.

Der Abschied

Zwei Wochen waren vorbei. Die Zeit, die ich mit Jorges Familie verbringen durfte, verflog geradezu. Es war eine sehr schöne Zeit, die zwar von körperlicher Arbeit, aber auch von viel leckerem veganen Essen, herzlichen Momenten und viel Lachen geprägt war.

Arbeitstechnisch gesehen machten wir fast jeden Tag etwas anderes, da so viel gleichzeitig zu erledigen war. Die Wände abschleifen und streichen oder im Garten Rinnen und Löcher freigraben, um ein ökologisches Toilettensystem verlegen zu können. Das Hauptprojekt war jedoch der Bau der Küche.

Als deutscher Zimmerergeselle würde man Jorge eher als schwierigen Bauherren einstufen. Jedoch nicht, weil er unfreundlich wäre, sondern weil er in vielen handwerklichen Arbeiten sehr begabt ist. Schon als Jugendlicher hatte Jorge  alle möglichen praktischen Arbeiten selbst tätigte, was dazu führte, dass er meist eine andere Arbeitsweise bzw. eine bessere Idee parat hatte.
Ich bin froh, dass er mir das Vertrauen für die Planung und Umsetzung schenkte. Zudem wir auch ein super Team waren und die Ideen des anderen sofort verstanden.

Mann mit Schubkarre Bauarbeiter
Jorge auf der Baustelle

Das „Endresultat“, das zu 70% fertig war gefiel uns sehr, auch wenn es schade ist, dass wir es nicht zu Ende bringen konnten. Dafür verantwortlich waren allerdings auch äußere Umstände. Streichen, andere Gewerke und Arbeiten sowie einen kompletten Umzug mit Frau und Kind von einer Mietwohnung in die Baustelle kosten eben auch Zeit. Trotz des ganzen Stresses war die Atmosphäre immer positiv und mit lustigen Momenten gefüllt. Ebenso blieb immer Zeit sich mit den Hunden oder Vida zu beschäftigen, was für Jorge mit dem größten Stellenwert im Leben hat. Familienzeit.

Es waren zwei intensive Wochen, in denen zum einen die Atmosphäre und zum anderen Gabriellas unglaublichen Kochkünste uns mit der nötigen Energie versorgten. Als Gabrielle mich zweimal hintereinander Chaufa sin Pollo essen sah, schüttelt sie den Kopf. Für sie war es unverständlich wie man zweimal die Woche das gleiche Gericht essen konnte.

Was folgten, waren abwechslungsreiche und liebevoll zubereitete Mahlzeiten. 100 Prozent traditionelle peruanische Küche in vegan! Teilweise waren sie selbst überrascht, wie gut doch ihre geliebten Gerichte auch ohne tierische Produkte schmeckten. Sie als Familie zu sehen und ihren Umgang miteinander, zauberte einem stets ein Lächeln ins Gesicht.

Am Morgen der Verabschiedung bedankten sie sich noch einmal sehr und schenkten mir ein Silberarmband, welches sehr typisch für Peru ist.
Zudem sagte Jorge noch zu mir:

„In Peru gibt es ein Sprichwort, was besagt, dass die großen Steine ganz unten die wichtigsten sind. Und du bist genau so einer. Bleib genauso wie du bist. Wir werden immer einen Platz für dich haben. Du bist nicht nur wie ein Freund, sondern auch wie ein Bruder oder Sohn“.

Da kamen mir sogar ein paar Tränen. Es war wirklich ein besonderer Moment. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Sofort kam Gabriella mit Vida auf dem Arm und es folgte eine große Umarmung mit allen zusammen.

Was bleibt nach den zwei Wochen?

Wunderschöne Erinnerungen, neu erlernte handwerkliche Fähigkeiten aus der peruanischen Trickkiste, der Wunsch, die Küche zu Ende zu bauen und ein Platz in meinem Herzen für die fünf.

Vielen Dank Jorge, Gabi, Vida, Milow und Kleine für diese wundervolle Zeit!

südamerikanische Familie mit Kind und Hunden
Jorge und seine Familie

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Über den Autor

Konrad Höffeler
Konrad Höffeler
"Be the change you want to see in the world" Dieses Lebensmotto lädt dazu ein viel bewusster zu leben. Man erkennt nicht nur mehr schöne Situationen im Leben, man fängt auch an diese für sich und andere zu schaffen/kreieren.

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