Weihnachten around the world pt. 1
Blonde Familie mit Weihnachtsmützen und Geschenken vor einem geschmückten Weihnachtsbaum

Ein geschmückter Tannenbaum, ein Festschmaus, der obligatorische Gang in die Kirche und Geschenke. Das ist für viele Deutsche der Heiligabend. In anderen Teilen der Erde sieht der Abend allerdings etwas anders aus. Böllern am 24. Dezember? Geschenke erst im neuen Jahr? Oder fasten an Weihnachten?

Andere Länder, andere Weihnachtstraditionen!

Spanien

Auch in Spanien ist Weihnachten ein großes Familienfest mit vielen Traditionen und Bräuchen. Dabei unterscheiden sich diese von unseren in Deutschland. Noche Buena, der Heiligabend, wird traditionell mit der gesamten Familie gefeiert. Das heißt nicht nur Mama, Papa, Oma, Opa und Kinder, sondern auch Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen, Neffen und Nichten. So können es schnell mal bis zu 30 Personen werden.

In Spanien ist die Familie etwas ganz Besonderes, hier halten alle zusammen wie Pech und Schwefel. Das Fest Noche Buena findet jedes Jahr in den Räumlichkeiten eines anderen Familienmitgliedes statt. Auch die Kosten für die Feierlichkeiten werden in der Familie aufgeteilt – jeder bekommt eine spezielle Aufgabe zugeteilt, wobei natürlich die finanzielle Situation berücksichtigt wird. So besorgt der eine Teil das Fleisch und bereitet es zu, der Andere den Fisch und wieder ein anderer Teil die Nachspeise. Diejenigen, bei denen das Fest stattfindet, sind für die Gestaltung der Tafel zuständig.

Zum Weihnachtsessen am 24. Dezember werden diversen Köstlichkeiten serviert. So zum Beispiel Meeresfrüchte, wie Garnelen unterschiedlicher Größen, Miesmuscheln, Venusmuscheln oder Tintenfisch, aber auch Fleisch, wie gefüllte Schweinslende, gefülltes Hühnchen, Truthahn aus dem Backofen, Spanferkel oder Lammkeule.

Die beliebte spanische Nachspeise Turrón

Das Abendessen beginnt mit Tapas als kleine Vorspeisen. Anschließend werden nacheinander die Fisch- und Fleisch-Gerichte serviert. Dazu gibt es meist einen Spanischen Rot- und Weißwein. Zum krönenden Abschluss des Essens gibt es Turrón. Ein aus Alicante stammendes Gebäck, welches aus Mandeln, Eiweiß und Honig besteht. Mittlerweile gibt es die Nougatplatten in vielen verschiedenen Ausführungen.
Zwischen 21 und 22 Uhr treffen alle Gäste für die Feier ein und um 22:00 Uhr wird dann diniert. Nicht selten endet so ein wichtiges spanisches Fest nicht vor 4 Uhr morgens.

Das Besondere an der spanischen Tradition ist, dass die Geschenke nicht an Heiligabend übergeben werden, sondern am 6. Januar mit dem Ende der Weihnachtszeit. Am „Dia de los Reyes“, dem Dreikönigstag, warten die Kinder gespannt auf ihre Geschenke und auch hier trifft sich die Familie wieder zu einem Festessen. Am Vortag kommen die drei Weisen aus dem Morgenland in Städte und Dörfer, mit Umzügen, Musik und Tanz.

Ein weiterer spanischer Vor-Weihnachtsbrauch ist die Weihnachtslotterie. El Gordo, wie die alljährliche Lotterie genannt wird, wird live im Fernsehen und im Radio übertragen. Jeder Spanier kann also in Echtzeit verfolgen welche Zahlen aus einer goldenen Gewinntrommel gezogen werden. Na dann, viel Glück!

¡Feliz Navidad!

Auf spanisch heißt Frohe Weihnachten: Feliz Navidad

 

Polen

Wigilia bedeutet Weihnachten und steht für die polnische Feier an Heiligabend mit sehr leckerem und reichhaltigem Essen.

In Polen sagt man, der Heiligabend beginnt erst, sobald der erste Stern am Himmel erscheint. Schon wenn es dämmert laufen die Kinder zu den Fenstern und halten Ausschau nach ihm. Allerdings ist es meist kein Stern, den man sieht, sondern der hellste Planet am Himmel, Jupiter oder Venus.

Am Heiligabend verbinden polnische Familien die Feier mit einer häuslichen Liturgie, dazu gehört das Beten und Wachen bis zur Ankunft des Jesuskinds. Im Mittelpunkt steht hier die Weihnachtskrippe, sie ist für die Polen ein Zeichen, dass der Sohn Gottes Mensch wurde.

Traditionell steht auf dem Tisch ein zusätzliches Gedeck, es ist für einen Gast oder die Seelen der Verstorbenen bestimmt und bezieht sich direkt auf die Weihnachtsgeschichte, als Maria und Josef eine Unterkunft suchten, aber nirgendwo aufgenommen wurden bis sie im Stall von Bethlehem Schutz fanden.

An jedem Gedeck liegt eine “Oplatek” (dt. Oblate). Vor dem Essen geht man mit seiner Oblate reihum und bricht jedem Familienmitglied ein Stück seiner Oblate ab und gibt ihm einen Segenswunsch für das kommende Jahr mit.

Oplatek wird mit den Familienmitgliedern an Weihnachten geteilt

An Weihnachten darf natürlich das Festmahl nicht fehlen! In Polen werden traditionell 12 Gerichte serviert. Sie stehen für die 12 Aposteln oder die 12 Monate im Jahr. Früher musste die Zahl ungerade sein, so servierte man dem Hochadel 13 Gerichte, der weniger wohlhabende Kleinadel 11, das Bürgertum hatte neun Speisen und die Bauern hatten meist fünf Gerichte auf ihrem Tisch.

Serviert wird dann Rote-Beete Suppe Barszcz mit Uszka, Weihnachtspastete, Rotkohl mit Trockenobst, verschiedene Fisch Gerichte, Salate, Pierogi sowie Desserts. Als besonderes Highlight hat sich der panierte Karpfen entwickelt. Dieser wurde meist lebend gekauft, weil man früher wohl sicherstellen wollte, dass der Fisch auch wahrlich frisch ist. Er wurde dann in der häuslichen Badewanne bis Weihnachten gehalten. Blubb!

Der Weihnachtskarpfen

Kommt kein Fleisch auf den Tisch? Nein, die Polen fasten bis zum 25. Dezember und verzichten auf Fleisch und Alkohol.

Um sich sein Glück für das nächste Jahr zu sichern, müssen, laut Tradition, alle Gerichte auf dem Tisch gekostet werden.

Für noch mehr Glück im kommenden Jahr ist ein beliebter Brauch unter den gedeckten Tisch etwas Heu zu legen. Symbolisch soll es für die Krippe stehen, in der das Christkind lag. Später ziehen die Kinder daraus Heuhalme und wer den längsten gezogen hat, wird das meiste Glück haben.

Ein weiterer Brauch ist eine Fischgräte oder Schuppe nach dem Essen in sein Portemonnaie zu stecken, auch dies soll Glück für das nächste Jahr bringen.

In den meisten Familien werden jetzt die Geschenke geöffnet. Der Abschluss des Heiligen Abend macht die kurz vor Mitternacht stattfindende Pasterka, die Hirtenmesse.

Bożego Narodzenia!

 

Kennst du weitere spannende Weihnachtstraditionen? Wir freuen uns über dein Kommentar!

 

Und wie ist es auf Madagaskar oder in China? Hier geht´s zum zweiten Teil von Weihnachten around the world.

Über den Autor

Tamma Heidrowski
Tamma Heidrowski
Fremde Kulturen, ferne Länder und fantastische Landschaften haben eine magische Anziehungskraft auf mich. Gerade sesshaft in Dresden geworden, schon zieht es mich wieder in die weite Welt. Es gibt noch zu viele Orte, die ich noch nicht entdeckt habe!

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